Samstag, 27. Mai 2017

Interview mit Jonas Winner

Ihr Lieben Leserinnen und Leser,

ich habe euch ja schon angekündigt, wie ich mich darüber gefreut habe, dass der Autor mir das Angebot über das Interview gemailt hat! Ich habe nun Murder Park  durchgelesen.

Die Rezension findet ihr, wenn ihr hier klickt ^^.


Der Roman erscheint am 13. Juni im Heyne Verlag und hat 416 Seiten.

So, nun aber zum eigentlichen Interview. Auch hier nochmal vielen Dank an Jonas Winner, für das interessante Interview!

Hallo Jonas, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst!

Ich begrüße dich herzlich auf meinem Blog Catgirl loves Books.

Erstmal ein herzliches Dankeschön, dass ich deinen neuen Roman „Murder Park“ vorab lesen durfte.

Freut mich, „hier“ sein zu können! „Catgirl loves Books“ – schöner Titel!

Kommen wir zu den Fragen:

  1. Wie bist du zum Schreiben von solchen Thrillern gekommen?
Gute Frage. Langer Weg! Wahrscheinlich fing das an, weil ich als kleiner Junge gern spannende Filme gesehen habe. Also richtig gern. Dann kam natürlich schnell die Frage auf: Kann ich das auch? Kann ich auch so eine Geschichte erzählen? Außerdem habe ich meine Jugend in Rom verbracht und dort gab es zum Teil irgendwie nicht so viel zu tun – zumindest war das mein Eindruck - so dass ich die sogenannten „Teenie-Jahre“ damit verbracht habe, ein Buch nach dem anderen zu verschlingen. Als ich dann langsam anfangen musste, mir ein Leben aufzubauen, bin ich zurück nach Deutschland gekommen, habe auch angefangen als Journalist zu arbeiten – aber das, worum es eigentlich ging, war immer das Gleiche geblieben: Kann ich auch solche spannenden Geschichte erzählen, wie ich sie gern lese? Das war die Frage. Irgendwann musste ich es ausprobieren, musste ich sehen, was daraus wurde, wenn ich es wirklich versuchte. Also habe ich mich hingesetzt und meinen ersten Roman geschrieben, das war „Davids letzter Film“. Als dtv das Manuskript gekauft und veröffentlich hat, dachte ich: Okay – es geht! Also los, weiter, vielleicht kann ich es ja noch besser. Und das kann schnell zur Sucht werden. Denn jedes Mal denke ich: Das war schon ganz in Ordnung, aber es geht noch besser! MURDER PARK, das Buch, das im Juni erscheint, ist dann Nummer sechs.


  1. Woher nimmst du die Ideen? „Die Zelle war ja schon Richtung Psychothriller und sehr verschachtelt. Ich habe schon viele Thriller gelesen, aber so was – um Ehrlich zu sein – noch nie!
Noch nie? Ehrlich? Was jetzt: Die Zelle – oder MURDER PARK? Egal … in jedem Fall: super! Vielen Dank, das freut mich sehr. Denn natürlich – darum geht es auch. Mir zumindest. Es geht ja nicht darum, ein Buch zu schreiben, von dem der Leser den Eindruck hat: Das hab ich schon mal gelesen. Dann brauche ich es nicht zu schreiben. Das ist tatsächlich eine (finde ich) sehr aufreibende Arbeit und wenn nichts Neues dabei herauskommt, kann man es sich (finde ich) ehrlich gesagt auch sparen. Wenn es hingegen klappt und es entsteht etwas, das bisher noch nicht da war, dann finde ich das sehr aufregend.


  1. Wie schaffst du es am Ende deine Leserinnen und Leser trotzdem noch zu überraschen? Ich habe weder bei diesem Roman, noch bei dem Vorgänger mit einem solchen Ende gerechnet! Immer wieder hatte ich zwar Spuren, aber die waren dann irgendwann doch dahin…
Na, das mit der Überraschung ist schon wichtig. Es hat natürlich mit dem zu tun, was ich am Anfang erwähnt habe, mit der Spannung. Letztlich ist es das, was - glaube ich - unterschwellig die Spannung ausmacht: Wenn man als Leser beim Lesen spürt: Da kommt noch was. In dieser Geschichte ist etwas im Gange, das ich (als Leser) noch gar nicht richtig sehe – das ich aber vor dem Ende der Geschichte noch entdecken und begreifen werde. Aber was ist es? Man fühlt es, ahnt es, sieht vielleicht die Umrisse, weiß aber nicht genau, was es ist. Das ist – zumindest geht es mir so – spannend. Und es ist nicht immer einfach, diesen Effekt zu erzeugen. Oftmals ist es das, was am schwierigsten beim Schreiben ist: Wie bekomme ich diese „zweite Ebene“ in einer Geschichte richtig gut hin …


  1. Bevor du einen Roman schreibst, woher nimmst du die Inspirationen und Ideen?
In meinem Arbeitszimmer gibt es ein Fach, dort liegen alle Ideen. Zettel mit Notizen, oft nur ein paar Worte. Im Laufe der Jahre hat sich dort ein ziemlicher Stapel angesammelt. Das kann in jedem Augenblick - beim Spaziergang, im Auto, mitten in der Nacht - passieren: Plötzlich ist sie da: Die Idee. Das muss ich machen! Meist ist dafür aber keine Zeit, weil ich mitten in der Niederschrift eines anderen Textes stecke. Also muss ich die Idee mit ein paar Worten skizzieren und lege sie auf den Stapel. Und wenn das eine Buch schließlich fertig ist, nehme ich mir meine Zettel vor und sehe sie durch. Was mache ich als nächstes? Da gibt es dann einen Haufen Möglichkeiten. Und es dauert ein bisschen, bis ich begreife, welche Idee bloß interessant ist, und welche so zwingend, dass ich sie unbedingt als nächstes in Angriff nehmen muss. Und die wird es dann: Das nächste Buch.


  1.  Nehmen wir Murder Park und Zodiac Island. Das ist ja der Handlungsort, hast du dich hier am realen Zodiac Killer aus den USA orientiert?

Nicht direkt. Das ist zu einem etwas späteren Zeitpunkt dazu gekommen. Was ich von Anfang an machen wollte, war eine Geschichte in einem sogenannten Theme Park – und zwar in einem Park zum Thema Serienmörder. Daraus hat sich dann Schritt für Schritt die Geschichte entwickelt. Aber natürlich ist der Zodiac Killer, wenn man sich erstmal mit dem Thema „Welche Serienmörder gab es WIRKLICH“ beschäftigt, von Anfang an eine der unheimlichsten Gestalten …


  1. Schreibst du Kapitel durch, oder suchst du Zwischendurch Zerstreuung? Und falls ja, wie sieht dass so aus?
Naja, das ist natürlich unterschiedlich. Am besten ist es, wenn es hintereinander weg geschieht. Hinsetzen, wissen, was man / ich schreiben will, loslegen und erst aufstehen, wenn die Sequenz, die Szene oder das Kapitel fertig ist. Dann steht das schwarz auf weiß vor einem und braucht meist gar nicht mehr groß verändert zu werden. Schwierig und zäh und anstrengend sind die Szenen, die nicht so recht „aus der Feder fließen“ wollen. Das merke ich dann schon: Das will bei der ersten Niederschrift nicht klappen, daran werde ich noch tausendmal herumfeilen müssen. Aber wenn es nicht vorwärtsgeht, bleibt einem nichts anderes übrig: Ein paar Stunden lang kann man sich quälen und den Kopf zerbrechen, manchmal will es einfach nicht funktionieren. Dann muss ich aufstehen und erstmal raus aus dem Haus, um nicht .. also: durchzudrehen? Und das hat meistens damit zu tun, das sich an dieser Stelle in der Geschichte eine Schwierigkeit verbirgt, die mir selbst noch gar nicht klar ist. Aber wenn ich erstmal in Bewegung bin, wird die Sache oftmals bald greifbarer. Hoffentlich … denn wenn nicht, kann es ätzend werden …

  1. Wie lange arbeitest du so an einem Roman und den einzelnen Kapiteln durchschnittlich?
Meine Faustregel ist: Von Anfang bis Ende, von der ersten Idee bis zum letzten Polish, dauert es in etwa ein Jahr, so einem Roman zu schreiben.
  
Eine kleine persönliche Frage:

  1.  Hast du literarische Vorbilder und was liest du persönlich gerne?
Na klar lese ich gern, sonst wäre das alles ja auch ziemlich absurd. Ich habe ja eingangs von meinen Lektüren als Jugendlicher erzählt – manchmal habe ich den Eindruck, die Intensität des Leseerlebnisses (wenn man das so sagen kann) habe seit damals ein wenig abgenommen. Was natürlich schade ist … Aber so, wie ich in den Büchern damals „versunken bin“, die Lebendigkeit, mit der ich mich in der Geschichte „bewegt“ habe - das gibt es heute nicht mehr so ganz … Deshalb: Wenn ich über „Vorbilder“ nachdenke, muss ich als erstes immer an die Bücher denke, die ich damals gelesen habe, und das waren vor allem Romane aus dem 19. Jahrhundert: Poe, Dickens, Balzac, die Russen: Dostojewski und so weiter, später dann habe ich den hard-boiled Noir Krimi von Chandler entdeckt, die Beat Generation, Burroughs, Kerouac und so weiter, und erst viel später habe ich angefangen, die modernen Amerikaner zu lesen: vor allem Tom Wolfe und Franzen fallen mir ein, aber natürlich auch solche sagenhaften Erzähler wie Grisham und King. Aber ich müsste ewig weiter aufzählen, wenn ich nicht all den anderen, die ich jetzt nicht erwähnt habe, Unrecht tun wollte – nur geht das natürlich nicht …


Lieber Jonas, vielen Dank für deine Antworten. Ich hoffe dich bald wieder auf meinem Blog begrüßen zu dürfen. Eins kann ich dir versichern: du hast einen neuen Fan gewonnen!

Super, freut mich sehr! Vielen Dank fürs „Reden“, hat Spaß gemacht!

Hier findet ihr ein paar Infos über den Autor (Quelle: Wikipedia), das Foto habe ich von seiner Homepage Klick hier! "geliehen".

Jonas Winner (* 1966 in Berlin) ist ein deutscher JournalistDrehbuchautor und Schriftsteller.
Winner wuchs in Berlin und Rom auf. Nach einem halbjährigen Aufenthalt in den USA nahm er in Berlin ein Studium der Philosophie  auf und schloss es 1993 nach einem weiteren Auslandsaufenthalt in Paris ab. 
Winner begann, für das Fernsehen zu arbeiten; er war unter anderem als Reporter und Redakteur in der Kulturredaktion des ZDF tätig. 1996 wurde er in Philosophie mit einer Dissertation über die Spieltheorie promoviert. 
Er kehrte anschließend zum Fernsehen zurück, drehte Dokumentationen und Reportagen für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und gründete mit drei Freunden das Label plotpower für die Entwicklung von Stoffen und Drehbüchern.
Neben seiner Tätigkeit als Reporter begann Jonas Winner im Jahr 2000 Drehbücher für Thriller und Krimis zu schreiben, die unter anderem vom ZDF, der ARD und Sat.1 ausgestrahlt wurden. 2011 erschien mit dem Psychothriller Davids letzter Film sein erstes Buch. 
Seine siebenteilige Thriller–Reihe Berlin Gothic erschien ab 2011 zuerst in seinem eigenen Verlag Berlin Gothic Media als E-Book, bevor sie 2013 in gedruckter Form veröffentlicht wurde.
Winner lebt in Berlin.




Folgende Bücher sind von ihm bisher erschienen:

Davids letzter Film, dtv Verlag, Jahr 2011 
Berlin Gothic, Berlin Gothic Media Berlin (e-books) Jahre 2011/2012
Berlin Gothic, Knaur München  (Print), Jahr 2013
Der Architekt, Knaur München, Jahr 2014
Die Zelle, Knaur München, Jahr 2016