Donnerstag, 6. April 2017

Clarissa Linden - Unsere Hälfte des Himmels

Rückentext: Deutschland in den 30er Jahren. Johanna und Amelie sind unzertrennliche Freundinnen, die eine gemeinsame Sehnsucht verbindet. Sie wollen Pilotinnen werden. Doch dieser Traum scheint im Deutschland der Nazizeit unmöglich zu sein. Trotzdem halten beide an ihm fest, bis Amelie sich in Johannas Fluglehrer verliebt - eine Liebe, die in einem folgenschweren Verrat gipfelt.

40 Jahre später: Amelies Tochter Lieselotte, die zu ihrer Mutter eine sehr distanzierte Beziehung hatte, wird plötzlich mit deren Vergangenheit konfrontiert. Allmählich lernt sie eine Amelie kennen, die sie hinter der kühlen Fassade niemals vermutet hätte - und ihr wird klar, dass diese Erfahrung ihr eigenes Leben verändern wird.

Zusammenfassung: Deutschland in den 30er Jahren, nach den Golden 20's ist es grau und gefährlich. Hier wachsen Amelie und Johanna auf, zwei Mädchen mit einem großen Traum: sie wollen Pilotinnen werden. Und zwar nicht nur Fliegerinnen für Segelflugzeuge - sondern sie wollen damit Geld verdienen.

Johanna kommt aus einem recht reichen Haus, ihr Vater ist ein hohes Tier in der Partei und die Mutter eifert Magda Goebbels nach. Ihr Bruder ist der Liebling der Eltern, da Johanna (genannt Hanni), rebellisch und schwierig ist. Denn laut der Regierung, sollen Frauen an den Herd und Kinder bekommen - nicht den Himmel erobern. 

Amelie kommt aus bürgerlichen Verhältnissen, ihre Mutter hat sie alleine groß gezogen und sie hat die Schule verlassen. Denn sie musste Geld verdienen, für die Mutter die schwer erkrankt war. Die beiden wohnen zusammen und sind ein Herz und eine Seele - das genau Gegenteil von Johanna und ihrer Mutter. Auch Amelie träumt davon, Pilotin zu werden - und war zusammen mit Johanna.

Die beiden haben einen kleinen Fliegerinnen Freundeskreis, doch keiner ist so begeistert dabei wie die beiden. Sie bewerben sich in Berlin bei der Firma Bücker, die als Einzige Frauen die Möglichkeit gibt, Pilotinnen zu werden. Sie bieten Ausbildungsstellen für Frauen und es ist die große Chance für die beiden jungen Frauen. Also machen sie sich auf den Weg nach Berlin...

Nach dem Bewerbungsgespräch müssen sie erstmal zittern und warten. Und die heile Welt bekommt Risse, als ihre Freundin Vera festgenommen wird, weil sie Flugblätter verteilt hat. Während Hanni die Chance hat, mehr Flugstunden von einem privaten Lehrer zu bekommen, beginnt Amelie an der Idee zu zweifeln, nach Berlin zu gehen...

Als Amelie sich dann in Johannas Fluglehrer verliebt und diese Liebe erwidert wird, steht plötzlich alles auf dem Spiel. Denn Hanni kann mit dem plötzlichen Teilen der Freundin gar nicht umgehen und will Amelie wieder für sich allein. In ihrem Kopf reift ein Plan, und auf einmal spitzt sich alles dramatisch zu. Denn Hannis Plan ist nicht nur extrem naiv, sondern auch lebensgefährlich...

40 Jahre später lebt Amelies Tochter Lieselotte in einer unglücklichen Ehe mit Eduard. Eines Abends bekommt sie einen Anruf, dass ihr Mutter einen Unfall hatte und nun im Koma liegt. Nach einigem Hin- und Her fährt Lieselotte kurzerhand nach Frankfurt zu ihrer Mutter. Obwohl ihr Verhältnis unterkühlt und distanziert ist. Aber auf der anderen Seite hat sie nur noch Amelie, da sie ihren Vater nicht kennt.

Sie besucht sie ihm Krankenhaus und trifft auf die hilfsbereite Krankenschwester Alix, die das ein oder andere Mal für die Tochter ein Auge zudrückt. Außerdem lernt sie Nachbarin ihrer Mutter kennen - Marga die Studentin, in Begleitung ihres Katers Cat Ballou.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Studentin, taut Lieselotte immer weiter auf und die beiden werden Freundinnen. Durch einen Zufall findet Lieselotte einen Brief von Hanni, der ihr sehr nahe geht. Und sie begibt sich auf die Reise in die Vergangenheit ihrer Mutter und will endlich die Fragen beantwortet haben, die sie so lange quälen: Wer war oder ist mein Vater? und Warum kann mich meine Mutter nicht lieben?

Mit der Zeit beginnt Lieselotte auch über ihre Beziehung zu Eduard nachzudenken. Sie wird selbständiger und mit Margas Hilfe geht die Suche Stück für Stück voran...

Meine Meinung: Unsere Hälfte des Himmels - Ein Roman über zwei Freundinnen. Die Eine treu und lieb, die Andere egoistisch und besitzergreifend. Johanna und Amelie könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch sie verbindet ihre große Leidenschaft zum Fliegen und den Traum, ihre Liebe zum Beruf machen zu können.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen. Einmal in den 30er Jahren und einmal in den 70ern. Es war einfach, die Zeiten auseinander zu halten und führt vor Augen, wie gefährlich es war. Frauen sollten an den Herd und Kinder bekommen. Nach den goldenen 20ern waren die Zeiten in den 30ern schwer, dunkel und die Luft lag voller Gefahren. An jeder Ecke konnten Spitzel lauern, und wer einmal in den Fängen der Nazis war oder nur "verhört" werden sollte, wurde später nie wieder gesehen...

Ich hatte relativ am Anfang schon die Vermutung, dass Johanna Amelie für sich alleine wollte und sie auch oft in emotionale Bedrängnis brachte. Entweder dies oder dass. Eine Grauzone gab es bei ihr nicht. Ich denke auch, dass die Idee mit der Firma in Berlin hauptsächlich von Johanna kam und sie Amelie nur überredet hat, indem sie ihr immer sagte "Ohne dich kann ich nicht fliegen". Amelie war auch generell vorsichtiger und skeptischer, bei dem was um sie herum geschah. Hanni war naiv, auf eine gefährliche Art...

Lieselottes Situation konnte ich gut nachvollziehen, sie war mit Eduard verheiratet, aber die Ehe war unglücklich. Er behandelte sie mehr wie einen Gegenstand und wie eine Putzfrau, die nebenbei noch kochte. Er ging ans Telefon und sie bediente ihn von vorne bis hinten. Ich habe so gehofft, dass sie sich endlich von ihm lossagen kann. Denn für einen Neuanfang ist man niemals zu alt, und man muss auch mal an sich selber denken, um sich zu schützen. Aber dies muss man erstmal lernen... und dieser Prozess ist schmerzhaft und kann auch etwas länger dauern...

Durch die Recherche (und nicht zuletzt Margas und Cat Ballous Hilfe) bekommt Lieselotte ein anderes Bild von ihrer Mutter. Sie beginnt zu begreifen, was Amelies Härte ausgelöst hat. Und langsam sieht sie ihre Mutter mit anderen Augen. Der Abstand von Eduard trägt auch dazu bei.

Es ist alles dabei Liebe, Verrat, Sehnsucht, Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Ein Roman, der mich berührt und auch stellenweise sehr traurig gemacht hat.

Clarissa Linden hat super recherchiert und füttert ihre Leserinnen und Leser mit tollen Hintergrundinfos über die Entstehung, wichtige reale Personen und Hintergründe über die Entstehung der Piloten. Sie hat mich so infiziert, dass ich alle Namen auf wikipedia nachgelesen habe ^^.

Ich danke der Autorin für die liebevolle Widmung und dass Rezensionsexemplar!

Fazit: 5 von 5 Pfötchen und klare Empfehlung!