Sonntag, 9. Juli 2017

Maria W. Peter - Die Küste der Freiheit

Rückentext: "Was hatte sie schon zu verlieren?" Wenn es irgendwo auf dieser Welt einen Platz gab, wo sie in Freiheit leben, ihrem Glauben und ihrem Gewissen folgen konnte, so würde sie ihn finden. Selbst wenn sie dafür an einen Ort reisen musste, der Pennsylvania hieß und am anderen Ende von Gottes weiter Erde lag."

Hessen 1776: Als ihr geliebter Lorenz mit seinem Casseler Regiment nach Amerika in den Krieg geschickt wird, ist Anna zutiefst verzweifelt. So verzweifelt, dass sie sich als Schuldmagd in die amerikanischen Kolonien verkauft. Bald schon findet sie sich mit zahlreichen Auswanderern auf einem Schiff in die Neue Welt wieder. Doch der Weg in die Freiheit und zur Liebe ist weit...

Zusammefassung: Anna Hochstetter lebt in einer amischen Gemeinde. Ihre Mutter und all ihre Geschwister starben vor ein einiger Zeit und jetzt gibt es nur noch Anna und ihren kranken, alten Vater. Ihre Mutter hatte sie in der Kunst der Heilpflanzen unterrichtet und so hilft Anna den Kranken.

Eines Tages hilft sie einer Schwangeren bei der schwierigen Geburt - was von der Gemeinde nicht gerne gesehen wird. Und trifft bei der Rückkehr auf einen Desserteur im Wald. Die junge Frau hilft dem Mann sich zu verstecken, doch dieser versucht sie zu vergewaltigen...

Nur durch einen Zufall treffen einige Sucher seines Heers kurz danach ein und ein junger, adliger Offizier namens Lorenz von Tannau rettet sie in letzter Minute. Mit dem Flüchtigen machen sie sich auf den Rückweg und Anna bleibt verunsichert bei der Gemeinde. Doch sie kann Lorenz nicht vergessen, und als Gideon Beiler ihr Avancen macht, fühlt sie sich in die Ecke gedrängt. Denn er ist in seiner Überzeugung tief verwurzelt und will sie zu seiner Frau machen. Jedoch müsste Anna dafür ihre Freiheit aufgeben und sich den Vorstellungen der Gemeinde, und Gideons, vollends unterwerfen...

Der Flüchtige Kurt Paul wird währenddessen gebrandmarkt und aus der Armee ausgeschlossen. Mittellos schlägt er sich durch, denn dass einzige was ihm geblieben ist, ist der Hass auf den Offizier der ihn - seiner Meinung nach - so sehr gedemütigt hat. Nämlich Lorenz von Tannau...

Nach einigen Monaten ist Lorenz auf dem Rückweg von weihnachtlichen Feierlichkeiten bei seiner Familie. Er ahnt nicht, dass er von Kurt verfolgt wurde. Und so erwischt ihn dieser, als er gerade eine Rast einlegt. Völlig unvorbereitet greift er Lorenz an und verletzt ihn lebensgefährlich. Zufällig kommt kurze Zeit später Anna vorbei, die Lebensmittel zu den Bedürftigen des Nachbardorfes bringen möchte. Sie findet ihn, und bringt ihn zu sich nach Hause. Hier pflegt sie ihn gesund, und als er gerade wieder auf den Beinen ist, stirbt Annas Vater. Völlig unvorbereitet trifft sie dieser neue Schicksalsschlag und wird von Lorenz getröstet. Genau in dem Moment, als Anna sich ausweint, betritt Gideon die Hütte und zieht die falschen Schlüsse...

Lorenz verlässt kurz darauf die Gemeinde und Anna muss sich als Büßerin vor den Ältesten des Dorfes einfinden. Da sich jedoch nicht beichten will, dass sie mit Lorenz unzüchtig geworden ist (was auch nicht der Fall war), wird sie von der Gemeinde ausgestoßen. Verzweifelt und ohne jeglichen Resthalt, packt sie ihre Sachen und geht in die Stadt, um Arbeit zu suchen und das Angebot der Hilfe seitens Lorenz annehmen möchte. Jedoch findet sie keine Stelle, da sie als Wiedertäuferin sofort von den Bewohnern gemieden wird. Und auch Lorenz ist nicht mehr da, er wurde mit seinem Regiment nach Amerika versetzt, um dem Bürgerkrieg beizuwohnen...

Dann wird sie auf Anwerber aufmerksam, die eine Reise nach Amerika versprechen. Ins gelobte, freie Land. Nach kurzem Zögern unterschreibt sie die Papiere und begibt sich kurz danach auf ein Schiff nach Amerika. Gezwungener Maßen steigt sie jedoch in Irland aus, um einer Frau bei der schweren Geburt ihrer Zwillinge zu helfen. Als sie zum Hafen zurückkommt, hat ihr Schiff abgelegt. Mit all ihren Habseligkeiten...

Sie wird von Father Séan aufgegriffen, der seine "Schäfchen" nach Amerika bringen will, in der Hoffnung, dass es dort sicherer und besser ist als in Irland. Er bringt sie mit einem Seelenverkäufer zusammen, und Anna unterzeichnet einen Vertrag als Schuldmagd für sieben Jahre...

Meine Meinung: Die Küste der Freiheit ist eine prima Auswanderersaga. Anna tritt als toughe und willensstarke Person auf, die zwar in ihrem Glauben verwurzelt ist, aber trotzdem sich selber nicht aufgeben will. Auch dass sie sich gegen Gideon zur Wehr setzt, und ihn nicht heiraten will, fand ich gut, genau wie den Fakt, dass sie nichts beichten und büßen will, für etwas was sie nicht getan hat.

Trotzdem konnte ich ab und an nur den Kopf schütteln, über ihre Handlungen und Entscheidungen. Sie waren und sind  mir immer noch schleierhaft. Das fand ich schade, da ich gerne nachvollziehe warum eine Protagonistin oder ein Protagonist eben so handelt, wie sie/ er es getan hat.

Lorenz von Tannau ist ein Offizier dem Ehre über alles geht. Er ist stets korrekt und hat die einzige familiäre Bande, zu seinem Onkel und seiner Tante. Seine Welt wird jedoch auf dem Kopf gestellt, als er Anna begegnet und sie vor Kurt Paul rettet. Von nun an, geht ihm die junge Frau nicht mehr aus dem Kopf. Und ihre Wege werden sich noch öfter kreuzen. Auch hier hatte ich teilweise Probleme, seine Entscheidungen nachzuvollziehen. Man denkt stellenweise, dass es endlich voran geht, doch dann entscheidet er sich ganz anders, und die ganze Sache nimmt wieder eine andere Wendung.

Kurt Paul ist der Feind, das wird ziemlich schnell klar. Und auch wenn man sich immer wieder wünscht, dass es endlich mit ihm zu Ende geht, zeigt er eine Widerstandsfähigkeit, die es (leider) auch im echten Leben gibt, was schlechte Menschen angeht.

Ich war schnell in der Handlung und der Stil ist flüssig. Auch die Erklärungen der Umgebung usw. sind klasse. Ich konnte mir alles vorstellen, und hatte richtiges Kopfkino.

Das Cover ist einfach nur wunderschön. In zarten Pastelltönen mit einem weißen Kranich und Schiffen, ein passendes Cover für einen Roman übers Auswandern nach Amerika.

Fazit: 4 von 5 Pfötchen, aufgrund einiger Längen und stellenweise voraussehbaren Wendungen.


Ich danke der Autorin für das liebevolle Päckchen, dass mir im Rahmen der Leserunde zugestellt wurde.