Samstag, 20. Mai 2017

Jess Kidd - Der Freund der Toten

Rückentext: Im irischen Mulderrig sind Fremde nicht willkommen. Auch der sympathisch-abgerissene Mahony nicht, der obendrein etwas beunruhigend Vertrautes an sich hat. Dass er das mysteriöse Verschwinden seiner blutjungen Mutter vor mehr als 20 Jahren aufklären will, stimmt die Dorfbewohner nicht freundlicher. Ganz im Gegenteil. Einzig die exzentrische und scharfzüngige alte Mrs. Cauley unterstützt ihn tatkräftig - denn sie glaubt schon lange, dass jeder weiß, was damals wirklich geschah...

Zusammenfassung: Mahony kommt in Mulderrig an, er will seiner Herkunft auf den Grund gehen. Denn er wurde als Baby im Waisenhaus abgegeben, von seiner Mutter keine Spur.

Eine ältere Nonne gibt ihm, als er älter ist, einen Brief und ein Foto, darauf ist er mit seiner Mutter Orla. Die mysteriöse Nachricht besagt, dass seiner Mutter ihn liebte. Und er sieht sofort, dass sie nicht älter als 15 oder 16 Jahre alt ist.

Der junge Mann wird von allen misstrauisch beäugt, vorallem weil er ihnen irgendwie bekannt vorkommt... sein Weg führt ihn zur einzigen Pension - Rathmore Haus. Hier trifft er die exzentrische alte Schauspielern Mrs. Cauley - den einzigen zweiten Gast des Hauses. Schnell ist ihr klar, dass Mahony Orlas Sohn ist und die beiden gehen auf Recherche und auf Mörderjagd...

Schnell wird klar, dass die Bewohner etwas dunkles zu verbergen haben, denn ihnen ist nun auch klar wer der fremde Mahony ist. Und sie wollen unter allen Umständen verhindern, dass er die Dorfidylle trübt. Hier schrecken sie auch nicht vor vergifteten Sandwiches oder explodierenden Briefkästen zurück. Sie haben nur ein Ziel: Mahony soll wieder verschwinden... natürlich gibt es auch ein paar Gemeindemitglieder, die sich sehr gut mit ihm verstehen. Sie mögen ihn sogar, doch die Gefahr ist allgegenwärtig...

Doch dieser denkt gar nicht daran, denn er hat von seiner Mutter Orla die Gabe geerbt, Geister sehen zu können und die helfen ihm mal mehr mal weniger...

Und während sich die Einwohner zusammenrotten und die beiden selbsternannten Detektive weitersuchen, spitzt sich die Lage gefährlich und dramatisch zu...

Meine Meinung: Der Freund der Toten - der Titel passt nicht wirklich. Mahony ist kein Freund der Geister, und die Geister sind nicht seine Freunde. Er kann sie sehen, und dass haben sie sehr schnell heraus und belagern ihn regelrecht. Aber sie helfen ihm eher weniger bis gar nicht.

Der Roman beginnt sofort blutig mit dem Mord an seiner Mutter Orla, sie wird von Mahonys Vater ermordet - und die Autorin schildert dies sehr bildlich. Auch später schildert sich verschiedene Szenen sehr genau, was mir jetzt nicht so gefallen hat. Ich muss nicht unbedingt wissen, wie ein Tier vom Besitzer ermordet wird... ich habe an dieser Stelle (die ziemlich zum Schluss kommt) wirklich überlegt, ob ich abbrechen soll. Hier bleibt nichts der Phantasie überlassen... leider.

Mahony wird dann von Farn im Wald versteckt, wo seine Mutter verscharrt wird. Hier springt die Zeit dann ins Jahr 1976 und wir kommen mit Mahony in Mulderrige an.

Der Freund der Toten springt immer zwischen der Vergangenheit (50'er Jahre) und 1976 (in dem Fall die Gegenwart). Wir erfahren von Orlas Kindheit und wie sie aufgewachsen ist. Nur wer Mahonys Vater ist, erfahren wir erst komplett zum Schluss (logischerweise ^_~ ).

Die Autorin hat alles in einen ca. 380 Seiten Roman gepackt, was ihr so in den Sinn gekommen ist. Geister, eine ungewollte Schwangerschaft, Mord, Tierquälerei, ein ganz kleines bisschen Romantik, Naturwunder bzw. Naturgewalten und - ja - sogar eine heilige Quelle mitten in einem Haus.

Leider ist es von allem zuviel und von allem doch zu wenig. Mir hätte es besser gefallen, wenn mehr auf die Geister eingegangen worden wäre, oder sie mehr geholfen hätten. Größtenteils streifen sie durch die Gegend oder sitzen irgendwo rum. Auch scheint ein Lieblingswort von Jess Kidd das Wort "Furz" oder "furzen" zu sein. Das fand ich auch störend. 

Das Cover ist jedenfalls sehr schön, Farne und Blumen vor einem schwarzen Hintergrund. Und wenn man genau hinschaut, sieht man auch "die Augen der Geister" und sogar einen Geist auf dem Cover.

Größtenteils plätschert die Story vor sich hin und ist in einer Art Telegramm Stil geschrieben. Pro Seite hat man stellenweise 3 oder maximal 6 Zeilen - zack nächstes Kapitel. 

Ich hatte mir einen skurrilen, mit beißendem Humor aufwartenden Roman erhofft, leider war das nicht der Fall. Und sehr gerne hätte ich 4 oder 5 Pfötchen gegeben... aber so werden es...

Fazit: 3 von 5 Pfötchen.




Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar!