Donnerstag, 13. April 2017

Anna Basener - Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte

Rückentext: Die Omma ist eine Ruhrpottikone. Sie war mal Wirtschafterin im Puff, bis sie den brutalen Zuhälter nicht mehr ertragen hat und ihn kurzerhand mit einer Flasche Korn erschlagen hat. Als die Mitzi, ehemalige Prostituierte und enge Vertraute plötzlich stirbt, bricht die Omma alle Zelte ab und zieht zu ihrer Enkelin Bianca. Nach Berlin-Kreuzberg.

Zusammenfassung: Omma Änne ist ein Ruhrpott-Urgestein. Sie war mal Mädchen für alles (sie bevorzugt jedoch Wirtschafterin) in einem Bordell. Ihre beste Freundin war die Prostituierte Mitzi. Die bestiehlt allerdings irgendwann den Zuhälter, der bekommt Wind davon und schlägt die Mitzi halbtot. Besagte Omma hat genug von der Unruhe, den Schlägen und dem Schmutz - und erschlägt den Bordellbetreiber kurzerhand mit einer Flasche Korn. 

Um die Spuren des Mordes zu verwischen, schüttet sie den restlichen Schnaps aus, bringt die schwer verletzte Prostituierte nach draußen und schüttet ihr Putzbenzin in den Flur - dass Bordell geht in Flammen auf und die anderen "Angestellten" können sich so gerade noch retten.

Mitzi beschließt, ein ordentliches Leben zu führen, mit Änne. Also machen die beiden ein richtiges Hotel auf und führen dieses auch mehrere Jahre.

Der Roman beginnt damit, dass Bianca (die Enkelin) einen Anruf ihrer Omma bekommt, am ersten Mai und mitten in der Nacht. Bianca lebt in Berlin und versucht sich als Designerin für selbstentworfene Slips, die sie - mehr schlecht als recht - übers Internet verkauft.

Eines Tages kommt die traurige Nachricht, dass Mitzi verstorben ist, und sie wird auf dem Waldfriedhof beerdigt. Omma legt sich mit dem Bestatter an, da es sich um ein empfindliches Ökosystem handelt, sie aber nicht darauf verzichten will, Plastikrosen in das Grab zu werfen. Sie wird handgreiflich und attackiert den Bestatter mit den Plastikrosen, bis nur noch Knospen übrig sind - diese landen dann auch im Grab. Ökosystem hin oder her.

Bianca lebt in einer WG mit Luise. Diese ist dass genaue Gegenteil von ihr. Sie ist eine Art Neuzeit Hippie und schuldet Bianca mehrere Monatsmieten. Eigentlich verstehen die beiden sich überhaupt nicht.

Die Sache mit Luise hat sich dann auch erledigt, als plötzlich Omma vor der Tür der Enkelin steht. Sie schlägt Luise und nennt sie Hure. Mit den fehlenden Mieten rauscht Luise davon - und Omma zieht kurzerhand ein.

Allerdings weiß Bianca davon noch nichts, bis ihr Vater einige Einrichtungsgegenstände von Änne bei Bianca vorbeibringt...

Und damit befinden sich die Leser mitten im Chaos, dass plötzlich eine gefährliche und haarsträubende Wendung nimmt. Denn Omma hat ein dunkles Geheimnis, bei dem mehr auf dem Spiel steht, als man Anfangs denkt...

Meine Meinung: Das Cover ist super - es sieht aus wie eine Packung Eve Zigaretten - die Omma Änne immer und viel raucht! Wirklich gelungen und gefällt mir sehr, sehr gut!

Nun aber zum "Inhalt" des Buches. Es lässt sich leicht lesen und ist gut für Zwischendurch geeignet. Der Ruhrpott-Slang ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber mich hat es nicht gestört. Was ich allerdings nervig fand war, dass Bianca ihre Vagina meistens immer "Döschen" nennt. Es gibt sicher viele Begriffe dafür, aber "Döschen"?! Diese Bezeichnung ist schon sehr... sagen wir speziell.

Omma Änne fand ich bis zu einem gewissen Punkt sehr anstrengend und schwierig, aber auch irgendwie sympathisch. Bis eben zu diesem einen Punkt... (keine Spoiler hier bei mir  ^_~... was sie da gemacht hat, fand ich total daneben!

Politisch unkorrekt - steht auf dem Rücken. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich habe so gut wie keine Andeutung auf Politik oder politische Meinungen gefunden.

Rotzig und respektlos - stimmt allerdings. Die Autorin schreibt "frei nach Schnauze". Daher ist der Roman auch mal was anderes.

Sexy und Sentimental - hm... eigentlich kann ich dem auch leider nicht zustimmen. Ich hatte an keiner Stelle mit irgendjemandem Mitleid, ich fand keinen Charakter sexy oder erotisch geschrieben.

Was mir vor allen Dingen wirklich sehr negativ aufgefallen ist, war die Tatsache dass das Thema Prostitution (Straßenstrich oder eben Bordell) irgendwie verschönert wurde. Kein einziges Mal wurde wirklich kritisch an die Sache herangegangen. Kein Mal wurde irgendwie der Eindruck erweckt, dass das wirklich eine heikle Sache ist. 

Ich bin bestimmt kein Moralapostel, aber wenn man ein solches Buch schreibt und sich Rat gesucht hat (steht in der Danksagung), dann kann man ein solches Thema nicht nur von einer Seite beleuchten. Der Roman erweckt den Eindruck, dass Zuhälter zwar ihre Frauen schlagen, aber eigentlich ist dass nicht so schlimm - gehört eben dazu. Und irgendwie findet es auch keine der Frauen wirklich schlimm, auf den Strich zu gehen, oder sich im Bordell zu verkaufen. Sie machen das alles freiwillig und haben total viel Spaß dabei - und Knete verdienen sie auch recht viel dabei! 

Fazit: 3 von 5 Pfötchen - der Roman hat leider meine Erwartungen nicht erfüllt. 

Ich danke der Autorin und Lovelybooks für das kostenlose Rezensionsexemplar.